DEUTSCHLAND VOR DEM TROPHY-AUFTAKT

Nach dem Abstieg aus der Rugby Europe Championship steht die deutsche Rugby-Nationalmannschaft vor einem tiefgreifenden Umbruch. Neun Debütanten, zahlreiche verletzte Leistungsträger und ein neuer Nationaltrainer prägen den Auftakt gegen Litauen am Samstag. Im exklusiven Gespräch mit rugby-news.de erklärt Michael Poppmeier, welche Identität er der Mannschaft geben will, warum seine Spieler für ihre Länderspiele teilweise selbst bezahlen müssen und worauf es beim angestrebten Wiederaufstieg ankommt.

Wer das Trikot der deutschen Rugby-Nationalmannschaft trägt, muss dafür inzwischen nicht nur körperliche Opfer bringen. Manche Spieler müssen auch eigenes Geld aufwenden, um überhaupt für ihr Land auflaufen zu können. Es ist eine bemerkenswerte Realität, über die Michael Poppmeier spricht, einen Tag bevor er erstmals als neuer Nationaltrainer an der Seitenlinie stehen wird. Und eine, die viel darüber verrät, unter welchen Voraussetzungen der Wiederaufbau der Schwarzen Adler gelingen soll.

„Die Jungs bringen bereits jetzt große Opfer, um ihr Land zu vertreten“, sagt Poppmeier im Gespräch mit rugby-news.de. „Seit meiner aktiven Zeit hat sich einiges verändert. Spieler müssen heute selbst für Kosten aufkommen, die durch Lehrgänge oder Trainingseinheiten entstehen. Auch unsere im Ausland aktiven Spieler tragen selbst Kosten, um Deutschland repräsentieren zu können.“ Er fügt hinzu: „Das ist keine Beschwerde, aber eine Realität, die nicht übersehen werden darf.“

Es sind ungewöhnlich deutliche Worte eines Nationaltrainers, der gerade erst seine Arbeit aufgenommen hat. Doch Poppmeier, der im Mai die Nachfolge von Mark Kuhlmann antrat, scheint wenig Interesse daran zu haben, die Schwierigkeiten des deutschen Rugbys hinter großen Versprechungen zu verbergen. Stattdessen will er ausgerechnet dort ansetzen, wo die Voraussetzungen besonders schwierig sind: beim Zusammenhalt seiner Spieler.

Am Samstag (31. Oktober, 13 Uhr deutscher Zeit) beginnt für Deutschland mit dem Auswärtsspiel gegen Litauen in Šiauliai die Rugby Europe Trophy 2026/27. Nach dem Abstieg aus der Rugby Europe Championship soll der Aufenthalt in der zweithöchsten europäischen Spielklasse unterhalb der Six Nations möglichst kurz bleiben. Der Deutsche Rugby-Verband strebt die unmittelbare Rückkehr in die Championship an. Für die Mannschaft bedeutet das, dass sie sich kaum eine längere Phase der Neuorientierung erlauben kann.

Dabei wäre gerade die angesichts der personellen Veränderungen nötig. Der neue Trainerstab muss zahlreiche Ausfälle kompensieren, neun Spieler stehen vor ihrem ersten Länderspiel, und die gemeinsame Vorbereitung ist knapp bemessen. Was Poppmeier in Litauen erwartet, ist deshalb sowohl eine sportliche Bewährungsprobe als auch ein erster Hinweis darauf, wie tragfähig seine Vorstellungen von einer neuen deutschen Rugby-Identität bereits sind.

Ein früherer Kapitän sucht nach einer neuen Identität

Poppmeier kennt die Nationalmannschaft aus einer anderen Perspektive. 2003 trug er erstmals das deutsche Trikot, später führte er die Auswahl als Kapitän an. Die Bedeutung eines Länderspiels muss ihm deshalb niemand erklären. Dass er nun selbst Verantwortung für die Entwicklung der Mannschaft übernimmt, betrachtet er als besondere Verpflichtung.

„Es ist ein echtes Privileg, diese Aufgabe übernehmen zu dürfen“, sagt der neue Nationaltrainer. „Ich habe dieses Trikot 2003 zum ersten Mal getragen und die Mannschaft als Kapitän angeführt. Deshalb weiß ich, was es bedeutet, Deutschland zu repräsentieren.“

Seinen Neuanfang möchte er ausdrücklich nicht allein über Ergebnisse definieren. „Die Richtung, in die wir gehen wollen, besteht darin, an unserer Dynamik als Mannschaft und unserer Identität zu arbeiten und eine Kultur zu schaffen, in der die Spieler gerne Teil dieser Mannschaft sein wollen.“

Das klingt zunächst nach einer Selbstverständlichkeit. Welche Nationalmannschaft möchte schließlich nicht geschlossen auftreten? Im deutschen Rugby gewinnt dieser Anspruch angesichts der begrenzten finanziellen und organisatorischen Möglichkeiten allerdings eine besondere Bedeutung.

Anders als die professionell organisierten Nationalmannschaften der europäischen Championship können sich die Schwarzen Adler nicht über längere Zeiträume gemeinsam auf ihre Länderspiele vorbereiten. Der überwiegende Teil des Aufgebots spielt in der Rugby-Bundesliga. Berufliche Verpflichtungen, Familienleben und die Anforderungen des Vereinsrugby müssen mit den Einsätzen für die Nationalmannschaft vereinbart werden.

Poppmeier will deshalb eine Gruppe entwickeln, die trotz dieser Belastungen dauerhaft bereit ist, für Deutschland zu spielen. Eine gefestigte Mannschaftskultur soll dabei helfen, die fehlende gemeinsame Trainingszeit zumindest teilweise auszugleichen.

Dass der neue Nationaltrainer diesen Prozess nicht innerhalb weniger Tage abschließen kann, ist ihm bewusst. „Wir werden noch keine fertige Mannschaft sein“, sagt er. „Aber man wird ein Team sehen, das hart füreinander arbeitet und mit Entschlossenheit spielt.“

Neun Debütanten und eine lange Liste verletzter Leistungsträger

Wie schwierig die Aufgabe tatsächlich ist, zeigt ein Blick auf das Aufgebot für den Trophy-Auftakt. Gleich neun Spieler sollen gegen Litauen ihr erstes Länderspiel bestreiten. Eine derart große Zahl an Debütanten bringt zwangsläufig Veränderungen mit sich, die weit über einzelne Positionen hinausgehen.

Gerade im Rugby, wo Abstimmung und Vertrauen bei Gedränge, Gasse, Verteidigung und Angriff über die Qualität ganzer Spielphasen entscheiden, lässt sich Erfahrung nicht ohne Weiteres ersetzen. Eine neu zusammengestellte Erste Reihe benötigt ein gemeinsames Verständnis für die Abläufe im Gedränge. In der Gasse müssen Einwerfer und Springer eingespielt sein. Zwischen Gedrängehalb und Verbindungshalb sind klare Entscheidungen erforderlich, damit aus gewonnenem Ballbesitz auch Raumgewinn entsteht.

Für Poppmeier war bei der Zusammenstellung des Kaders deshalb nicht allein die individuelle Spielstärke ausschlaggebend.

„Wir haben auf Fitness, körperliche Voraussetzungen und die Geschwindigkeit im Spiel geachtet“, erklärt er. „Genauso wichtig waren uns aber der Charakter und die Frage, wie gut ein Spieler zu unserer Mannschaftskultur passt.“

Die Mehrheit seiner Spieler kommt aus der heimischen Bundesliga. Das sei ihm persönlich wichtig, betont der Nationaltrainer. Gleichzeitig habe man „einige spannende junge Talente aus dem Ausland“ in die Mannschaft geholt.

Die veränderte Altersstruktur soll dabei nicht mit einer vollständigen Übergabe der Verantwortung an die jungen Spieler verwechselt werden. Poppmeier sieht die erfahrenen Nationalspieler weiterhin in einer zentralen Rolle.

„Wir haben viele junge Spieler in dieser Gruppe. Aber wir erwarten von den Neuen nicht, dass sie die Mannschaft tragen“, sagt er. „Wir wollen, dass sie Energie mitbringen, ohne Angst spielen und schnell von den erfahrenen Spielern um sie herum lernen.“

Allerdings ist die Verjüngung nicht ausschließlich das Ergebnis einer langfristigen sportlichen Planung. Sie wurde durch eine ungewöhnlich große Zahl von Verletzungen erheblich beschleunigt.

Chris Hennig, Leo Wolf, Dustin Mizera, Daniel Wolf, Karl Kaspar und Mark Fairhurst gehören zu den etablierten Spielern, auf die Poppmeier verzichten muss. Eine Liste, die verdeutlicht, wie viel Länderspielerfahrung der deutschen Auswahl zum Saisonauftakt fehlt.

„Wir waren ehrlich gesagt auch zu einigen Veränderungen gezwungen“, räumt Poppmeier ein und verweist auf die schweren Verletzungen dieser Spieler. „Das ist ein großer Verlust an Erfahrung. Aber es ist zugleich eine Gelegenheit für andere, Verantwortung zu übernehmen und zu zeigen, was sie können.“

Es ist eine Chance, die durchaus mit Risiken verbunden ist. Gegen Litauen werden sich die neuen Nationalspieler nicht langsam an das internationale Rugby herantasten können. Sie treffen auf einen Gegner, der besonders am Kontaktpunkt und im Sturm seine Stärken besitzt. Wie gut die deutsche Mannschaft mit dieser Physis zurechtkommt, dürfte deshalb früh Aufschluss über ihren Entwicklungsstand geben.

Die Bundesliga bildet das Fundament

Dass Poppmeier trotz der vielen Veränderungen auf eine gewisse Geschlossenheit hoffen kann, liegt vor allem an der Zusammensetzung seines Aufgebots.

Den größten Block stellt der deutsche Meister SC Frankfurt 1880. Mit Cosmos Zymvragos, Hassan Rayan, Aidan Dixon, Makonnen Amekuedi, Christopher Howells, Christophe Edene, Vinzenz Maier und Oliver Paine sind gleich acht Frankfurter nominiert. Hinzu kommen fünf Spieler des SC Neuenheim: Nikolai Klewinghaus-Hacker, Anton Troch, Enrich Bülow, Mattes Bachmann und Robert Lehmann.

Auch die RG Heidelberg ist mit Nikias von der Lohe, Nick Hill, Asafo Fau und Felix Meffert stark vertreten. Von Hannover 78 stehen Tobi Bauer, Jan Piosik und Alexander Brosowski im Aufgebot.

Solche Vereinsblöcke könnten gerade unter den gegebenen Umständen wertvoll sein. Spieler, die regelmäßig gemeinsam trainieren und in der Bundesliga nebeneinander in Gedrängen, Gassen oder Verteidigungsreihen stehen, bringen bereits ein gewisses Verständnis füreinander mit. Das ersetzt keine eingespielte Nationalmannschaft, kann die Abstimmung innerhalb einzelner Mannschaftsteile aber erleichtern.

Bemerkenswert ist auch die Berücksichtigung von Spielern abseits der traditionellen süddeutschen Rugby-Hochburgen. Nils Kanngießer vom Hamburger RC gehört ebenso zum Aufgebot wie Niklas Bechtel vom TSV Handschuhsheim und Younes Zahag vom RC Unterföhring.

Gerade Kanngießer könnte mit seiner Fähigkeit zu Gegenangriffen eine interessante Option sein, sollte Deutschland Möglichkeiten erhalten, die litauische Verteidigung in ungeordneten Situationen anzugreifen.

Hinzu kommen mit Johannes Polomsky und Darren Ferrar zwei Spieler, die außerhalb Deutschlands aktiv sind. Polomsky spielt im Nachwuchsbereich des französischen Top-14-Klubs Stade Français Paris. Ferrar läuft für UL Bohemians in der irischen All-Ireland League auf. Als Hakler könnte ihm eine wichtige Rolle bei den deutschen Standardsituationen zufallen.

Litauen wird den deutschen Sturm fordern

Ein einfacher Auftakt ist unterdessen nicht zu erwarten. Die litauische Nationalmannschaft, die ihre Heimspiele in Šiauliai austrägt, gehört seit Jahren zu den physisch unangenehmen Gegnern in der Rugby Europe Trophy.

Unter Nationaltrainer Mantvydas Tveraga beendeten die Litauer die vorherige Trophy-Saison auf dem vierten Platz. Ihre Ergebnisse zeigen allerdings erhebliche Leistungsschwankungen. Einem deutlichen 47:8-Erfolg gegen Kroatien, bei dem sieben Versuche gelangen, stehen hohe Niederlagen gegen Polen (8:41) und Schweden (3:38) gegenüber. Im Februar unterlag Litauen Tschechien sogar mit 5:87.

Die Zahlen allein erlauben keine einfache Prognose für das Spiel gegen Deutschland. Sie verdeutlichen aber, wie unterschiedlich die Litauer auftreten können, je nachdem, ob es ihnen gelingt, ihre körperlichen Stärken durchzusetzen oder der Gegner sie zu schnellen Verteidigungsbewegungen zwingt.

Litauens Spiel ist traditionell stark auf den Sturm ausgerichtet. Gedränge, kraftvolle Ballvorträge und Mauls nach gewonnenen Gassen bilden wichtige Grundlagen. Über kurze Pick-and-Go-Angriffe versuchen die Stürmer, die gegnerische Mannschaft am Kontaktpunkt zu binden.

Eine zentrale Rolle nimmt dabei Nummer acht Laurynas Vincas Marcinkus ein. Als starker Ballcarrier aus dem Gedränge und mit seiner körperlichen Präsenz kann er den Ausgangspunkt für weitere Angriffsphasen schaffen. Für Deutschland wird deshalb entscheidend sein, die litauischen Ballträger möglichst früh zu stoppen. Gelangen sie wiederholt über die Vorteilslinie, könnte es ein langer Tag für die Deutschen werden.

„Ein Auswärtsspiel in Litauen ist niemals eine einfache Aufgabe“, sagt Poppmeier. „Wir werden vorher nur begrenzt Zeit miteinander haben. Als Amateurspieler müssen die Jungs Rugby, Beruf und Familie miteinander vereinbaren. Deshalb ist es für uns entscheidend, die Grundlagen richtig umzusetzen.“

Was damit gemeint ist, beschreibt er sehr konkret: „Gedränge und Gasse, Disziplin und die direkten körperlichen Duelle gewinnen. Wir müssen die einfachen Dinge über 80 Minuten gut machen.“

Warum die Disziplin über den Spielverlauf entscheiden könnte

Eigene Gedränge müssen stabil bleiben, damit der Gedrängehalb den Ball kontrolliert herausspielen kann. In der Gasse benötigt Deutschland sichere Einwürfe und eine zuverlässige Abstimmung zwischen Springern und Liftern. Gehen dort zu viele Bälle verloren, überlässt die Mannschaft dem Gegner nicht nur wertvollen Ballbesitz, sondern auch die Möglichkeit, unmittelbar Druck auszuüben.

Noch wichtiger könnte die Disziplin am Kontaktpunkt werden.

Eine Mannschaft, die mit kraftvollen Stürmern über mehrere Phasen Raum gewinnen will, profitiert erheblich von gegnerischen Straftritten. Sie ermöglichen es, den Ball weit in die gegnerische Hälfte zu kicken und anschließend aus einer Gasse heraus ein Maul aufzubauen.

Allerdings wird es nicht ausreichen, Litauens Stärken lediglich zu neutralisieren. Will Deutschland mit einem Sieg in die Trophy starten, muss die Hintermannschaft selbst zu gefährlichen Angriffen kommen.

Gerade die Geschwindigkeit des Ballvortrags könnte dafür entscheidend werden. Wenn die deutschen Stürmer im Kontakt Raum gewinnen und den Ball im Ruck zügig sichern, können die Adler die litauische Verteidigung mit schnellen Pässen unter Druck setzen.

Besonders auf den Außenbahnen könnten sich dann Möglichkeiten ergeben, sobald Litauen zu viele Verteidiger in der Nähe der Rucks binden muss. Dafür braucht es allerdings präzise Abläufe und schnelle Entscheidungen. Weite Pässe allein werden nicht genügen, wenn der vorherige Ballvortrag keinen Raumgewinn gebracht hat.

Auch das Kickspiel dürfte eine wichtige Rolle einnehmen. Mit gut platzierten Kicks in die gegnerische Hälfte kann Deutschland den territorialen Druck erhöhen und die Litauer dazu zwingen, aus ungünstigen Positionen heraus anzugreifen. Im eigenen 22-Meter-Raum wären riskante Angriffsversuche dagegen besonders gefährlich.

Welche Möglichkeiten sich tatsächlich eröffnen, wird auch von den äußeren Bedingungen abhängen.

Für den Samstagnachmittag sind in Šiauliai Temperaturen um acht Grad und eine hohe Luftfeuchtigkeit vorhergesagt. Sollte der Rasen nach den Niederschlägen der vorangegangenen Tage tief und rutschig sein, könnte dies die Anforderungen an das Ballhandling zusätzlich erhöhen.

Hinzu kommt die Reisebelastung. Die deutsche Mannschaft reist erst am Freitag nach Litauen und hat damit nur wenig Zeit, sich vor Ort vorzubereiten. Für Spieler, die kurz zuvor noch ihren beruflichen Verpflichtungen nachgegangen sind, ist das keine ideale Ausgangslage.

Wie Poppmeier seine Ersatzspieler im Verlauf der Begegnung einsetzt, könnte besonders in der letzten halben Stunde bedeutsam werden.

Der Wiederaufstieg duldet kaum Ausrutscher

Die Rugby Europe Trophy wird in dieser Saison von sechs Nationen bestritten. Neben Deutschland und Litauen gehören Tschechien, Schweden, Dänemark und Malta zum Teilnehmerfeld. Jede Mannschaft spielt einmal gegen jeden Gegner. Rückspiele, in denen sich ein schwacher Auftritt ausgleichen ließe, gibt es nicht.

Für Deutschland bedeutet das, dass bereits der Auftakt in Litauen erhebliches Gewicht besitzt. Ein Sieg würde nicht nur die ersten Tabellenpunkte bringen, sondern auch das Vertrauen in die neue Mannschaft stärken.

Deutschland wird bei entsprechender Spielentwicklung nicht nur auf den Sieg, sondern auch auf die Versuchsdifferenz achten müssen. In einem Wettbewerb mit lediglich fünf Länderspielen können einzelne Bonuspunkte am Ende eine erhebliche Bedeutung besitzen.

Poppmeier richtet seinen Blick derweil weniger auf mögliche Tabellenkonstellationen als auf die Entwicklung seiner Mannschaft.

„Unser größeres Ziel in dieser Saison ist es, so viel Konstanz wie möglich innerhalb des Kaders aufzubauen“, erklärt er. „Und das unter den Voraussetzungen, dass wir als Gruppe nur sehr begrenzt Zeit miteinander verbringen können.“

Die Litauen-Partie betrachtet er ausdrücklich als Beginn dieses Prozesses. „Litauen ist der erste Schritt. Danach kommt Malta mit einem Heimspiel in Köln.“

Damit verbindet sich eine Herausforderung, die weit über den sportlichen Ausgang des Samstags hinausgeht. Deutschland benötigt nicht nur Spieler, die für ein einzelnes Länderspiel zur Verfügung stehen. Es benötigt einen verlässlichen Stamm, der auch bei den folgenden Begegnungen gemeinsam antreten kann und in dessen Zusammenspiel über die Saison hinweg Fortschritte erkennbar werden.

Eine Mannschaft, die für das Trikot zusammensteht

Poppmeiers Ausgangslage ist damit widersprüchlich. Sportlich muss er möglichst schnell Ergebnisse liefern, langfristig aber zunächst jene Grundlagen schaffen, die erfolgreiche Länderspiele über einen längeren Zeitraum ermöglichen.

Vielleicht ist es deshalb bezeichnend, dass der neue Nationaltrainer auf die Frage, welche Botschaft seine Mannschaft in Litauen senden soll, nicht zuerst von der Zahl der Versuche oder der Höhe eines möglichen Sieges spricht.

„Ich möchte, dass diese Mannschaft zeigt, dass sie zusammenhält, hart für das Trikot arbeitet und etwas für die Zukunft des deutschen Rugbys aufbaut“, sagt Poppmeier.

Poppmeier wird nach dem Abpfiff gewiss wissen wollen, ob seine Mannschaft gewonnen hat. Er dürfte aber ebenso genau darauf achten, wie die Spieler miteinander umgegangen sind, wenn ein Angriff scheiterte, ein Gedränge verloren ging oder die Litauer über mehrere Phasen Druck ausübten.

Dass einige von ihnen sogar eigenes Geld aufbringen, um das deutsche Trikot tragen zu dürfen, zeigt, wie groß diese Bereitschaft bereits ist. Die entscheidende Aufgabe wird nun darin bestehen, aus diesem persönlichen Einsatz auch sportliche Stärke zu entwickeln.

Am Samstag in Šiauliai beginnt für die Schwarzen Adler der Versuch, beides miteinander zu verbinden.


Hinweis der Redaktion: Die Aussagen von Nationaltrainer Michael Poppmeier stammen aus einem exklusiven schriftlichen Interview mit rugby-news.de vom 29. Oktober 2026. Die ursprünglich englischsprachigen Antworten wurden für diesen Artikel ins Deutsche übersetzt.

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